Artemisia annua & COVID-19

Entzündung - Immunsystem

In Asien, Afrika und Südamerika werden pflanzliche Extrakte von Artemisia annua – Einjähriger Beifuß –  schon seit Jahrtausenden zur Behandlung von Infektionskrankheiten und Fieber eingesetzt. Der sekundäre Pflanzenstoff Artemisinin ist dabei der wichtigste bioaktive Inhaltsstoff in Artemisia annua. Für die Entdeckung von Artemisinin enthielt die chinesische Pharmakologin Tu Youyou 2015 den Medizin-Nobelpreis. Dieser Wirkstoff stellt heutzutage die Grundlage für Malaria Medikamente dar.

Einjähriger Beifuß

Artemisia annua ist eine einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Die umfangreichen und gefiederten Blätter des Einjährigen Beifuß weisen Ähnlichkeit mit Farnblättern auf. Der einzigartige würzige Duft der Pflanze erinnert an Minze, Thymian oder Kampfer und ist auf die vielen enthaltenen ätherischen Öle zurückzuführen.

Bisher konnten über 245 Wirkstoffe aus Artemisia annua isoliert und nachgewiesen werden. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen, die aus therapeutischer Hinsicht von Bedeutung sind, zählen ätherischen Öle, Flavonoide, Cumarin, Beta-Sitosterol, Menthol, Thymol sowie der Hauptwirkstoff Artemisinin. Des Weiteren ist Artemisia reich an Vitamin A und E (stark antioxidativ) und enthält hohe Konzentrationen an Zink, Gallium und Selen.

Artemisia annua übt verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit aus. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Einjährige Beifuß v.a. zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Sie wirkt fiebersenkend, antibakteriell, fungizid und blutstillend. Des Weiteren findet Artemisia annua Einsatz gegen Malaria, Parasiten und virale Atemwegserkrankungen. Auch bei Blähungen, Verdauungsschwäche und Durchfall kann der Einjährige Beifuß hilfreich sein. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind Nachtschweiß sowie typische Frauenleiden wie Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden.

Artemisia und Infektionskrankheiten

Die sekundären Pflanzenstoffe (Flavonoide, Polyphenole, Triterpene, Sterole, Saponine, Polysaccharide, Artemisinin und seine Derivate) von Artemisia annua spielen eine entscheidende Rolle in der Immunantwort und den antiviralen, antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Die positive Wirkung des Hauptwirkstoffes Artemisinin wurde bei der Bekämpfung von Malaria mehrfach wissenschaftlich bestätigt und 2015 auch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Es zeigt sich aber auch, dass der Pflanzenextrakt eine höhere Wirkung als das isolierte Artemisinin ausweist.

Covid-19

Artemisia annua besitzt in vitro eine anerkannte antivirale Aktivität (Anti-HSV1, Poliovirus, RSV, Hepatitis C-Antivirus, Typ-2-Dengue-Virus, Hantavirus, humanes Cytomegalovirus). 2003 wurde Artemisia annua daher auch für die Behandlung des schweren SARS-Coronavirus (Schweres Akutes Respiratorischem Syndrom-CoV) angewendet und zeigte positive Effekte. Da COVID-19 dem SARS-CoV von 2003 sehr ähnlich ist, könnte Artemisia annua auch hier begleitende Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. In In-Silico-Studien gibt es Hinweise darauf, dass Artemisinin potenzielle inhibitorische Eigenschaften gegen Coronavirus-Wirtsproteine besitzt. Des Weitern zeigen Studien im Zusammenhang mit COVID-19, dass Bestandteile von Artemisia annua die SARS-CoV-2-Anheftung, die Membranfusion, die Internalisierung in die Wirtszellen und die virale Replikation und den Transkriptionsprozess behindern kann.

Die Forschungen dahingehend sind noch nicht abgeschlossen, zeigen aber deutlich, dass Pflanzen wie Artemisia annua dabei helfen können, prophylaktisch das Immunsystem zu stärken, um Infektionen abzuwehren bzw. besser und schneller zu bekämpfen. Weitere Pflanzen mit antiviralen und immunstärkenden Eigenschaften sind Cistus incantus oder auch Curcuma.

Das FORUM auf den Spuren der Artemisia annua

Bild: Paolo
von Africa Amini Alama

 

Das FORUM VIA SANITAS war in Tanzania bei Africa Amini Alama um sich vor Ort die Artemisia annua Kultur anzusehen.

Hier wird in Perma Kultur Artemisia annua für den Einsatz gegen Malaria, sowie zur Unterstützung des Immunsystems gezüchtet. Ein Projekt, das der Gesundheitsversorgung der einheimischen Bevölkerung sehr zu Gute kommt.

Praxistipp

Artemisia annua sollte nicht mit der in Europa bekannten Art Artemisa vulgaris verwechselt werden. Artemisia vulgaris ist als Gewürz für zahlreiche Gerichte bekannt, gilt aber auch als Hauptauslöser für Pollenallergien im Spätsommer/Herbst. Bei einer vorliegenden Pollenallergie gegen Artemisia vulgaris besteht auch ein erhöhtes Risiko einer allergischen Reaktion gegen Artemisia annua.

Literatur

  • Feng X, et al (2020). Traditional application and modern pharmacological research of Artemisia annua L. Pharmacol Ther. 216:107650.
  • Efferth T. From ancient herb to modern drug: Artemisia annua and artemisinin for cancer therapy. Semin Cancer Biol. 2017 Oct;46:65-83.
  • Li S., et al (2005). Identification of natural compounds with antiviral activities against SARS-associated coronavirus. Antivir Res. 2005;67:18–23.
  • Law S, et al (2020). Is the traditional Chinese herb „Artemisia annua“ possible to fight against COVID-19? Integr Med Res. 2020 Sep;9(3):100474.
  • Adhikari B, et al (2020). Potential roles of medicinal plants for the treatment of viral diseases focusing on COVID-19: A review. Phytother Res.
  • Fuzimoto AD (2021). An overview of the anti-SARS-CoV-2 properties of Artemisia annua, its antiviral action, protein-associated mechanisms, and repurposing for COVID-19 treatment. J Integr Med. 19(5):375-388.
  • Cheong DHJ, et al (2020). Anti-malarial drug, artemisinin and its derivatives for the treatment of respiratory diseases. Pharmacol Res. 158:104901.

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